Ettling, Silke: "gerüste"
Katalogtext zur gleichnamigen Ausstellung im Schwerter Kunstverein.
"gerüste" lenken den Blick auf
Formprozesse: Kunstverein im Wuckenhof eröffnet heute
Ausstellung
mit Arbeiten von drei Berliner Künstlern.
In: Schwerter Rundschau, 19. November 2004.
"gerüste"
In: Schwerter Zeitung, 18. November 2004.
"Bestias" de Peso Cultural - Kulturelle
Lastesel
In: El San Juan Star, 2. Oktober 2004.
"Noches" de Galería - Lange Nacht
der Galerien
In: El Nuevo Día, 1. Oktober 2004.
Bosetti, Petra: Berlin goes Rothenburg
In: ART Online, 14. Juli 2004.
Kramer, Martina: Kunst-Stoff
mit Humor - "Berliner Landpartie" in der Rothenburger Kulturbrauerei.
Elf Künstler aus der Hauptstadt präsentieren ihre Arbeiten.
In: Fränkische Landeszeitung, 17./18. Juli 2004.
"Annäherung" ans Schnurkleid
In: Fränkischer Anzeiger, 26. Juli 2004.
"Dokumenta-Anklänge" im
Brauhaus-Gemäuer - "Berliner Landpartie" erlebt Besucherandrang bei
Musikabend.
In: Fränkischer Anzeiger, 19. Juli 2004.
"Kunst-Biotop in der Kastanienallee
12" - 5 Jahre galerie kurt im hirsch...
In: strassenzeitung 16/2004.
"Ante Portas?" - Wir packen
unseren Koffer... Zur 177. Ausstellung der Kleinen Humboldt-Galerie
In: Humboldt. Die Zeitung der Alma Mater Berolinensis, 14. April 2004.
Rundgang: So sieht es in den Ateliers der Berliner
Künstler aus.
In: Berliner Morgenpost, 28. Mai 2004.
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gerüste
Katalogtext
zur gleichnamigen Ausstellung im Schwerter Kunstverein
von Silke Ettling
gerüste, die: aus Stangen oder Metallrohren,
Brettern o.Ä. errichtete Konstruktionen bes. für Bau-, Reparatur- und Montagearbeiten;
grundlegende Gedanken; Grundplan: Linien + Knotenpunkte. Spannungsaufbau.
Eine Assoziation. Erstes Tasten, eine Berührung, der Kontakt. Die Verbindung
ist vielleicht fragil, doch hergestellt. Die Annäherung erfolgt von Innen
heraus. Nur: Wo genau liegt Innen?
innen (Adv.): an der, auf der Innenseite, im Inneren, zum Inneren
hin, einwärts; vom Inneren her, von der Innenseite aus, (veraltet) drinnen:
assoziiert draußen + innen = zwischen außen? Line Wasner, Käthe Wenzel und
Christof Zwiener folgen unterschiedlichen Wegen, über Form- und Formprozesse
nachzudenken. Mit Gips + Faden, Wachs + Schnüren, Kamera + schwarzer Tusche
lenken sie den Blick auf die Strukturmomente in einer Verbindung. Ein Gefüge
entsteht. Zwischen.
Verbindung, die: das Verbinden, sich verbinden, Verbundensein;
Zusammenhalt, Zusammenhang: Im Zusammenspiel von Anhaltspunkten. Der
Beginn einer Vorstellung. Der Blick konzentriert sich. Auf die Bewegungen
eines Körpers. Zwischen den Fixpunkten eines Raumes. Auf die Ausdehnung
einer verborgenen Form. Einer Erinnerung. Auf Abmessungen einer zugrunde
gelegten Norm. Ins Detail gehend. Zwischen dem Ertasten und Abmessen einer
Spur füllt sich der Blick. Relationen werden sichtbar, ihre Anhaltspunkte
konkreter. Nehmen Form an. Werden plastisch. Raumfüllend. Andere Spuren
verlieren sich wieder, werden aufgegeben. Nicht fortgesetzt. Verbleiben
gegenstandslos. Beim Erforschen der verschiedenen Wege, solche Strukturmomente
greifbar zu machen, fixieren die drei KünstlerInnen das diffizile Zusammenspiel
von konkreter Berührung und Leerstelle in jeweils eigener Weise. Punktgenau.
Eine Balance zwischen Vorstellung und Assoziation entsteht.
Punkt, der: kleiner (kreisrunder) Fleck, Tupfen; die Elfmetermarke;
das Entscheidende, Ausschlaggebende; die Zutat, die einer Sache noch die
letzte Abrundung gibt; Zeitpunkt, Stadium innerhalb einer Entwicklung, eines
Prozesses, o. dgl.; Gliederungsabsatz, Abschnitt; kleinste Einheit des typographischen
Maßsystems für Schriftgrößen: Ein einzelner Punkt, ein Anhaltspunkt,
ein Ausgangspunkt. In ihrer Beschäftigung mit Form und Formprozessen setzen
die drei KünstlerInnen inhaltlich verschiedene Akzente. Für Christof Zwiener
ist die Beschäftigung mit biographischen Notizen und Erinnerungsmomenten
ein wichtiger Bezugspunkt für seine Arbeit. Die Gerüste, die er baut, um
das Erinnerte zu tragen, sind auf ein Minimum an Informationen reduziert
und ohne Titel nicht gleich zugänglich. Es braucht Zeit, bis man sich eingesehen
und seine Anknüpfungspunkte gefunden hat. Der Prozess zwischen Vorstellung
und Assoziation bleibt schwebend. Wie ein Erinnerungsbild. Ein wahrgenommener
Eindruck. Das Motiv kaum sichtbarer Wahrnehmungsmomente beschäftigt den
Künstler auch in seinen Videos. Beim Aufzeichnen kurzer Bewegungssequenzen
bieten Reflektorpunkte Orientierung, bevor der Lichtreflex wieder verschwindet
und eine optische Leerstelle hinterlässt. Bis zur nächsten Reflexion.
Leerstelle, die: (in der Dependenzgrammatik) aufgrund der Valenz
des Verbs durch eine Ergänzung zu besetzende Stelle im Satz - Valenz,
die: Fähigkeit eines Wortes, ein anderes semantisch-syntaktisch an sich
zu binden; besondere Fähigkeit eines Verbs, zur Bildung eines vollständigen
Satzes eine bestimmte Zahl von Ergänzungen zu fordern: Ergänzung = Stelle
die noch nicht besetzt ist. Etwas fehlt. Line Wasner wendet sich dem Alltäglichen
zu. Hochspannungsleitungen, Takelagen, Möbelkatalogen und Klappstühlen.
Straßenszenen. So der gegenwärtige Stand ihrer Untersuchungen. Die Künstlerin
arbeitet dabei mit Stift und Pinsel. Vornehmlich mit Kalligraphentusche.
In Schwarz auf Weiß. Auf Papier. Auf Leinwand. Zunächst wird das Motiv fixiert.
Herauspräpariert aus einem größeren Zusammenhang. Kontextbezüge werden aufgegeben.
Danach wendet sie sich dem Detail zu. Seismographisch genau werden die Verhältnismäßigkeiten
ausgelotet. Das Zusammenspiel von tragenden Strukturen, von Licht und Schatten
erforscht. Veränderungen in der Bewegung mit Stift und Pinsel nachgegangen.
In Relation gebracht. Einzelne Punkte und Linien verdichten sich zu Pinselstrichen,
werden flächig, wieder aufgebrochen. Schließlich angehalten zwischen Form
und Formauflösung. Der Eindruck von Bewegung bleibt. Auf der Fläche wie
in den Bildraum hinein. Zwischen Gerüst und Leerstelle. Abstraktionen. Balancieren.
abstrakt,(adj.): die wesentlichen, gesetzmäßigen o.ä. Züge aus
etw. Konkretem, sinnlich Wahrnehmbarem ableitend: Aus dem Stadium innerhalb
einer Entwicklung. Eines Abschnitts. Von etwas Ausschlaggebendem. Einem
Zusammenhang. Formprägend. Wie ein Stützkorsett. Käthe Wenzel durchforscht
kulturgeschichtliche Strukturen. Verbindungen von biographischen Notizen,
Erinnerungsmomenten und Alltäglichem. Historischen Entwicklungslinien und
tradierten Normvorgaben. Die Vorgehensweise erinnert an die Arbeit eines
Präparators. Und an die Fertigung von Konfektionswaren. Beim Erfassen individueller
Lebensformen und Ideenbilder durchmisst die Künstlerin das Innenleben kulturgeprägter
Haltungen. Das Maßwerk eines Baukörpers, die Zwischentöne einer Niederschrift.
Einer Deklaration. Eines Bekleidungsstücks. Das menschliche Maß fungiert
dabei wie eine Kompassnadel. In der Bewegung. Zwischen den Prozessen. Ein
Entwicklungsschritt.
Kompassnadel, die: zum magnetischen Nordpol hin sich einpendelnder
Zeiger des Kompasses; Kompass, der: Gerät zur Bestimmung der Himmelsrichtung
(mit Hilfe eines Magneten); compassare = nach dem Kompass marschieren;
ringsum abschreiten. Abmessen + Ertasten. Von Innen her; zwischen außen.
Mit ihren Analysen von Form und Formprozessen bieten die drei KünstlerInnen
Anhaltspunkte; - gerüste - für ihre Betrachter, den so skizzierten Fäden
nachzugehen. In verschiedene Richtung.
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Westfälische Rundschau,
19. November 2004
"gerüste" lenken
denBlick auf Formprozesse: Kunstverein im Wuckenhof eröffnet heute Ausstellung
mit Arbeiten von drei Berliner Künstlern
Schwerte. Eine Ausstellung mit Arbeiten von
Line Wasner, Käthe Wenzel und Christof Zwiener eröffnet der Kunstverein
Schwerte am heutigen Freitag um 20 Uhr in den Räumen des Kunstvereins im
Wuckenhof. Unter dem Titel "gerüste" haben die drei jungen Künstler aus
Berlin jeweils einen Raum mit ihren Werken eingerichtet. Ihre Werkzeuge
reichen von schwarzer Tusche auf weißem Grund über Wachstafeln + Paketschnur
bis hin zu einer schwarz-weißen Fadenverspannung zwischen den Begrenzungen
eines Raumes. Die "gerüste", die sie bauen, lenken den Blick auf Form und
Formprozesse. Auf das Einfangen charakteristischer Momente einer alltäglichen
Situation in ihrer Bewegung. Auf die spezifischen Ausprägungen einer kulturellen
Norm im Verlauf ihrer Geschichte. Auf die flüchtigen Konturen einer Erinnerung.
Das menschliche Maß, die individuelle Vorgehensweise und Akzentuierung der
Wahrnehmung dienen den Künstlern jeweils als Richtschnur und Kompassnadel
für ihre Analysen. Inhaltlich setzen sie dabei unterschiedliche Akzente.
Während sich Christof Zwiener in seinen Faden-/Dachlattenkonstruktionen
und Videos mit Erinnerungs- und (flüchtigen) Wahrnehmungsprozessen auseinander
setzt, wendet sich Line Wasner in ihren Zeichnungen zwischen Malerei und
Graphik dem Alltäglichen zu. Ihre Untersuchungen von Straßenszenen, Möbelkatalogen
und Klappstühlen erfassen seismographisch genau das diffizile Zusammenspiel
zwischen Form und Formauflösung in seiner Bewegung. In den Arbeiten von
Käthe Wenzel werden diese Fragestellungen aufgegriffen und historisch verortet.
Gleichsam wie eine kulturwissenschaftliche Präparatorin untersucht die Künstlerin
das Zusammenspiel von individuellen Lebensformen und kulturellen Denk- wie
Handlungsmustern. Kulturhistorische Strukturen werden sichtbar und die subtilen
Ausprägungen ihrer Normvorgaben erfahrbar.
In ihrer Auseinandersetzung mit Form und Formprozessen erforschen Line Wasner,
Käthe Wenzel und Christof Zwiener Wege und Möglichkeiten, das Zusammenspiel
solcher Strukturmomente zu erfassen und für die Betrachtung greifbar zu
machen. Ihre Analysen bieten Anhaltspunkte - gerüste - für ihre Betrachter,
den so skizzierten Fäden nachzugehen.
Zur Ausstellung erscheint ein 12-seitiger Katalog mit zahlreichen Farbabbildungen.
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Schwerter Zeitung,
18. November 2004
"gerüste"
"gerüste"
ist der Titel einer Ausstellung in den Räumen des Kunstvereins im Wuckenhof,
die am Freitag um 20 Uhr eröffnet wird. Drei junge Berliner Künstler (Line
Wasner, Käthe Wenzel und Christof Zwiener, Bild) arbeiten mit Formen und
Fäden. Die Ausstellung ist dienstags bis freitags jeweils von 16 - 19 Uhr
und sonntags von 15 - 18 Uhr geöffnet. Zur Schau erscheint ein Katalog,
der zum Preis von fünf Euro im Kunstverein erhältlich ist.
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El San Juan
Star, 2. Oktober 2004
Bestias de peso
cultural
von Melba Ferrer
No se preocupe que ellos estaban combatiendo
temperaturas extremas, desde el sofocante calor de la calle al aire acondicionado
del interior, según iban de una jurisdicción a la próxima en el Viejo San
Juan. Vienen desde Alemania con sus cargas. Y están dispuestos a cargar
a cualquier otro también.
Sabine Schlunk, Emil Gropoz, Anke Kalk, Sonja Hartmann, Käthe Wenzel, Peter
Woelck y Niklas Goldbach, son un grupo de jóvenes artistas contemporáneos
con sede en Berlín quienes estarán desplegando "One to Carry the Other´s
Burden" ("Uno para cargar el peso de otro"), una exhibición que comienza
el martes en la noche a las 7:00 en la alcaldía de San Juan, como parte
de las presentaciones de Noche de Galería en el Viejo San Juan.
El espectáculo ofrece una buena idea de las actuales tendencias de arte
en Alemania, ellas también revelarán eso, pero este también revelarán eso,
pero este también demuestra que no importa de dónde vienen, artistas de
todo el mundo están preocupados sobre la mismas cosas. Invitado poer el
Museo de Arte e Historia de San Juan, y auspiciado por el Istitut für Auslandsbeziehungen,
el grupo ha estado trabajando durante más de un ano en su proyecto, el cual
envuelve todo desde meditar sobre la identidad y el sí mismo, a la memoria.
"Uno para cargar el peso de otros" es una frase bíblica. "Pero no somos
un grupo religioso", manifesta Gropoz, quien junto con Schlunk, Kalk y Hartmann
se encontraban en la Isla para la exhibición. "Tomamos este tema y trabajamos,
no en una forma religiosa. Lo comprendimos como un problema moderno". Trabajando
durante un ano en el tema, el grupo trató de aclarar su significado y determinar
lo mucho o lo poco que una persona puede llevar el peso de otros. Claro
está, para cada uno significó algo diferente. "Es más una expresión sicologíca",
manifiesta Schlunk sobre la interpretación de ella de la frase. "Siento
que es más un asunto de empatía. Es una expresión sicológica con mi propia
filosofía, también."
El tema del espectáculo llega en un momento en que los alemanes están pensando
sobre sus identidades. "Se ajusta bastante bien", senala Gropoz. "Tuvimos
esta unficación hace 15 anos. Tuvimos cambiar nuestros puntos de vista y
renunciar a muchos." Kalk está de acuerdo, destacando que lo que una vez
fue Alemania Oriental permanece menos desarollada, a pesar de la unificación.
Las discrepancias permanecen todavía allí. "La discusión es porque ello
no resultó", manifiesta ella. Ambos lados de una ahora unificada Alemania
- en una ocasión separadas por décadas - se están cuestionando su sentido
de identidad. "Mi país y ano existe", anade Schlunk, "Es una mezcla de dos
sociedades, al igual que Puerto Rico". "Sin embargo no hacemos trabajo político",
anfatiza Hartmann. "One to Carry the Other´s Burden" se presentará durante
seis semanas.
(Übersetzung: Es macht ihnen nichts aus, dass sie mit extremen Temperaturen
kämpfen müssen, aus der erstickenden Hitze der Strasse in die klimatisierte
Luft drinnen, während sie sich von einem Bezirk von Alt San Juan in den
anderen bewegen. Sie kommen aus Deutschland, beladen mit Gepäck. Und sie
sind bereit, es allen anderen aufzuladen. Sabine Schlunk, Emil Gropoz, Anke
Kalk, Sonja Hartmann, Käthe Wenzel, Peter Woelck und Niklas Goldbach sind
eine Gruppe von Künstlerinnen und Künstlern mit Sitz in Berlin, die "One
to Carry the Other´s Burden - Einer trage des Andern Last" eröffnen werden,
eine Ausstellung, die am Dienstag Abend um 7 im Rathaus von San JUan eröfnnet,
als Teil der Veranstaltungen der Nacht der Galerien in Alt-San Juan.
Die Veranstaltung vermittelt eine gute Vorstellung von den aktuellen Tendenzen
der Kunst in Deutschland, auch dies, aber vor allem zeigt sich dass, gleich,
woher sie kommen, die Künstler und Künstlerinnen sich auf der ganzen Welt
mit ähnlichen Dingen befassen. Eingeladen vom Museo de Arte e Historia de
San Juan, unterstützt durch das Institut für Auslandsbeziehungen, hat die
Gruppe seit mehr als einem Jahr an dem Projekt gearbeitet, das alles umfasst,
vom Nachdenken über die Identität und sich selbst bis zur Erinnerung.
"Einer trage des Andern Last" ist ein Bibelzitat. "Aber wir sind nicht religiös,"
erklärt Gropoz, der sich zusammen mit Schlunk, Kalk und Hartmann zur Eröffnung
auf die Insel gekommen ist. "Wir haben dieses Thema ausgesucht und dazu
gearbeitet, aber nicht in religiöser Form. Wir haben es als modernes Problem
aufgefasst." Während ihrer einjährigen Auseinandersetzung mit dem Thema
veruschte die Gruppe, seine Bedeutung zu verstehen und auszuloten, inwieweit
jemand die Last des Andern tragen kann. Natürlich bedeutete das für jede
und jeden etwas anderes. "Es ist mehr psychologisch,§ erklärt Schlunk ihre
Interpretation des Zitats. "Ich empfinde das mehr als eine Angelegenheit
des Mitfühlens. Es ist eine psychologische Interpretation auch miener eigenen
Philosophie."
Das Thema der Veranstaltung trifft auf einen Moment, in dem sich die Deutschen
Gedanken über ihre Identität(en) machen. "Es passt ganz gut dazu," sagt
Gropoz. "Vor 15 Jahren hatten wir die Vereinigung. Wir mussten unsere Standpunkte
überdenken und uns von vielen verabschieden." Kalk stimmt zu, und führt
aus, dass das ehemalige Ostdeutschland wirtschaftlich noch immer weniger
entwickelt ist, trotz Wiedervereinigung. Die Unterschiede bestehen noch
immer. "Es wird diskutiert, warum das so ist," sagt sie. Beide Seiten des
wiedervereinigten Deutschland - nach jahrzehntelanger Teilung - stellen
ihre Identität in Frage. "Mein Land existiert nicht mehr," fügt Schlunk
hinzu. "Wir haben jetzt eine Mischung aus zwei Gesellschaften, wie in Puerto
Rico." "Trotzdem machen wir keine politische Kunst," betont Hartmann. "One
to Carry the Other´s Burden wird sechs Wochen lang zu sehen sein.
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In: El Nuevo Día, 1. Oktober 2004
Noches de Galería
Este
martes se celebra otra edición del concurrido evento. Así comienza Arte
cubano, San Juan 2004, que recoge la producción de los artistas Yovanis
Caisé, Lissett Román y Esteban Machado quienes de forma individual expondrán,
a partir de las 6:00 p.m., en el Museo de Las Américas, sala 8, segundo
piso del Antiguo Cuartel de Ballajá.
De otra parte los artistas alemánes Niklas Goldbach, Emil Gropoz, Sonja
Hartmann, Anke Kalk, Käthe Wenzel, Sabine Schlunk y Peter Woelck unen esfuerzos
en la muestra One to Carry the Other´s Burden: Arte Contemporàneo Alemàn,
que inaugurará a las 7:00 p.m., en la Galerìa San Juan Bautista de la Casa
Alcaldía sanjuanera.
El aprovechamiento de la iconografía, tanto de la realidad exterior como
de la virtual, de los medios de comunicación masivos, la fotografía, el
vídeo y diversas formas de armar obras de arte conforman la exposición que
se extiende hasta el 14 de noviembre.
(Übersetzung: (...) Ausserdem vereinen die deutschen Künstler und Künstlerinnen
Niklas Goldbach, Emil Gropoz, Sonja Hartmann, Anke Kalk, Käthe Wenzel, Sabine
Schlunk und Peter Woelck ihre Anstrengungen in der Ausstellung One to
Carry the Other´s Burden: Zeitgenössische Kunst aus Deutschland, die
um 19 Uhr in der Galerìa San Juan Bautista de la Casa Alcaldía in San Juan
eröffnet.
Der Gebrauch der Ikonografie, der äußeren ebenso wie der virtuellen Realität,
von Massenmedien, Fotografie, Video und diversen Formen der Kunstproduktion
sind in dieser Ausstellung zu sehen, die bis zum 14. November dauert.)
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ART Online, 14. Juli 2004
Berlin goes Rothenburg
von Petra Bosetti
"Acht Künstler aus Berlin, einer schnellen,
vollen, modernen Großstadt, setzen ihre Arbeiten in die ländliche, kleinstädtisch
geprägte Umgebung Rothenburgs." So umschreibt die Künstlerin Nele Probst
das Projekt "Berliner Landpartie", das vom 16. bis 25. Juli in der Kulturbrauerei
in Rothenburg. O. T. stattfindet. In den Räumen der ehemaligen Brauerei
werden Installationen, Klang - und Objektkunst, sowie Malerei ausgestellt.
Der mittelalterliche Stadtkern, das aus der Bevölkerung und Touristen aus
aller Welt zusammengesetzte Publikum und der Ausstellungsort, bildet für
die Künstler den interessanten Kontrast zu ihrer gewohnten Kunstumgebung,
außerdem, lockt die Herausforderung, sich mit den Gegebenheiten des Ortes
auseinanderzusetzen. Die teilnehmenden Künstler sind Christian H. Cordes,
Lisa Glauer, Nele Probst, Käthe Wenzel, Alex Gern, Janina Bücking, Marco
Riedel, Line Wasner und Andreas Kotulla.
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Fränkische
Landeszeitung, 17./18. Juli 2004
Kunst-Stoff mit Humor"Berliner
Landpartie" in der Rothenburger Kulturbrauerei:
Elf
Künstler aus der Hauptstadt präsentieren ihre Arbeiten
von Martina Kramer
ROTHENBURG - Wie es aussieht, wenn Großstädter
eine "Berliner Landpartie" machen, davon kann sich der Besucher der Kulturbrauerei
ein lebhaftes Bild zeichnen. Dort zeigen 11 Künstler aus Berlin ab heite
für eine Woche (täglich 14 bis 19 Uhr), ihre Arbeiten. Ein abwechslungsreiches
Abendrogramm gibt es außerdem.
Wenn Künstler reisen und was für Vorstellungen sie damit verbinden, zeigt
diese Schau. Wie eigentich wirken Bilder vor einer völlig anderen Kulisse?
Rothenburg mit seinem mittelalterlichen Charme bietet sich als perfektes
Kontrastprogramm zur Hauptstadt an. Ein Gedanke, der offenbar inspiriert,
gefördert von jenen, die beides kennen. So etwa der Rothenburger Waldemar
Olesch, der seit einem halben Jahr in Berlin weilt. Verknüpfungen und
Austausch sind ihm wichtig, genauso wie dem Organisationsteam der Kulturbrauerei.
Fäden spinnen sich weiter zur Berliner Schaltstelle Nele Probst, die viele
der hier ausstellenden Künstler zum Mitmachen animiert hat.
Mit Erfolg, denn einige der gezeigten Arbeiten sind extra für diese "Landpartie"
gestaltet worden. So zum Beispiel der Rucksack von Andreas Kotulla, der
schwarz-weiß direkt auf die Wand gemalt worden ist. Ein ausuferndes Gepäckstück,
da der Großstädter ja nie weiß, was er in der wilden Natur alles brauchen
wird. Vielleicht braucht er auch "nichts". Ein relativer Begriff, der
überall in unserer Sprache auftaucht, mehr oder weniger gedankenvoll verwendet.
Christian H. Cordes macht sich ein Spiel daraus, indem er das Wort astets
aufs Neue an unerwarteter Stelle der Ausstellung auftauchen lässt. Kurzes
Innehalten und Grübeln sind da erwünscht.
So etwa, wie es auch der Hungrige vor dem Kühlschrank tut. Meist mit vernebelter
Wahrnehmung, weil vom Bedürfnis getrieben. Daraus ergeben sich Makros,
vergrößerte Ansichten von Details. Lisa Glauer lässt sie plastisch werden
mit ihren poppig bunten Features von scheinbar banalen Alltäglichkeiten
wie Joghurtbechern, Eiswürfeln oder Milchtüten. Dabei sei jedoch aufgemerkt,
denn der deutsche Tetrapack kann sich vom US-amerikanischen erheblich
unterscheiden.
Nele Probst reizt der Kontrast zwischen Dtadt und Land - vor allem in
ihrer Malerei. Graue Eintönigkeit gegen bunte Heiterkeit, gehalten in
einer Handschrift, die bisweilen an Comics erinnert. Kein zwingend naturalistischer
Ansatz, sondern bewusste und zugleich ironisierende VBerfremdung, die
den Blickwinkel des Betrachters hinterfragt.
Dagegen präsentiert sich Alex Gern mit seinen Farbgüssen puristisch. Im
Vordergrund steht das vollkommene Erleben eines Pigments, eingefangen
in kleinen, monochromen Kacheln. Farblose Gewänder aus Paketschnüren,
durchsichtig, filigran aber doch ausgeformt sind Käthe Wenzels Faible.
Das Begreifen von Form anhand eines dreidimensionalen Rasters ist ihr
Thema. Den Körper, das Ausmalen, das Füllen ist Sache der Betrachter.
(...) Nichts ist also, wie es sich darstellt - zumindest auf den ersten
Blick. Darauf hinweisen will diese Ausstellung. Sie tut das humorvoll,
verspielt, offenherzig. Kunst zu erfahren ist ihr Anliegen, bis man sagen
kann: "Dem ist nichts mehr hinzuzufügen".
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Fränkischer
Anzeiger 26. Juli 2004
"Annäherung" ans
Schnurkleid
ROTHENBURG - Ein "Nichts" ruft einen herein, schriftlich
tonlos und doch so vielsagend, wie Kunst sein kann. Ein "Nichts" begegnet
einem immer wieder in dieser Ausstellung, als Kreidewort, als (Wand)teppich,
auf beleuchteter, beräderter Holzplatte. Wer nach dem Sinn fragt, findet
womöglich (s)eine weitreichende Anwort.
Das will auch Schöpfer Christian H. Cordes (geb. 1967, Studium in Saarbrücken)
nicht ausschließen. Eine inspirierende Tiefgründigkeit zeichnet nicht nur
seinen Beitrag zur "Berliner Landpartie" aus, einer Galerie im alten Brauhaus
mit Werken von elf Berliner Künstlern, von denen etliche aus dem Süden oder
Westen Deutschlands stammen und einige auch intensive Studien im Ausland
absolviert haben. Ein Besuch dieses jüngsten Projektes der örtlichen privaten
Kunst-Initiative "Kulturbrauerei" ist dringend empfehlenswert. Reif, weltläufig,
brisant wirkt die Kunst, die das Industrie-Denkmal diese Woche noch mit
neuem Leben erfüllt. Jedes der Werke könnte genauso gut in einer großen
Kunsthalle hängen bzw. stehen. Die Meistertrunkstadt, sonst auf historische
Kulisse und Folklore abonniert, kann sich, wenn sie will, von einem vitaleren
Geist berühren lassen. Ein vornehmer Zug der Galerie besteht gewiss in der
Art, wie hier aus konzentrierten, manchmal minimalen Mitteln vielschichtige
Bilder und Skulpturen geschaffen sind. Das gilt für die u. a. aus Holzresten
und alten Nägeln gezimmerten ausdrucksvollen Figuren mit Titeln wie "Luftgucker"
oder "Pedestrian" von Nele Probst. Das gilt ebenso für die aus Schnüren
geformten, körperhaften Kleider der gebürtigen Aachnerin Käthe Wenzel -
"Annäherungsversuche", die den Betrachter in ihrer Durchlässigkeit berühren,
zur Reflexion herausfordern.
Die Frage nach der Identität bestimmt auch die Skulptur und die im Foto
festgehaltene Performance von Janina Bücking (1969 in München geboren).
Ein Zementkopf, Kreidekonturen des eigenen Körpers, eine zweite gelatinehafte
Haut sind die Elemente ihrer künstlerischen Experimente unter Einbeziehung
des eigenen Körpers.
Auf eine mehr als visuelle sinnliche Erfahrung zielt die Installation "sounds
motion moderation" von Marco Riedel ab. Seine raumhohe "Klangkiste" moduliert
ihren Sound (Geräuschkulisse vom hiesigen Weihnachtsmarkt), je nach Bewegung
der seildicken elastischen Stäbe. Auf ihre Art kommunikativ sind die Gemälde
und Zeichnungen der Galerie. Behäbige Traditionspflege sucht man vergebens,
selbst die Standards der Moderne mischen sich allenfalls leger ins Spiel
der kreativen Kräfte; z. B. eine Alltäglichkeit der Motive, wie sie die
Pop-Art kennt. Da sind die Öl-Gemälde von Lisa Glauer mit ihren energievollen
Perspektiven und Ausschnitten oder das verfremdete Ei im Glaskasten von
Anke Mila Menck.
Durch zeichnerisches Genie und einen ausgeprägten Stil machen die Werke
von Line Wasner und der auf die Wand aufgetragene "Rucksack" von Andreas
Kotulla auf sich aufmerksam. Eine comic-haft karikierende, kraftvolle Manier
prägt die bunten Gemälde der bereits erwähnten Nele Probst. Zwischen Plastik
und Malerei bewegen sich Alex Gerns dreidimensionale Quadrate mit ihren
besandeten Leinwänden. Ebenfalls im Flur: ein Teppichfleck mit Roll-Rädchen,
ein dadaesker Schriftzug und ein grüner gefüllter Kreis. Die unter dem Pseudonym
"Billig-Topmarkt.de" firmierenden Künstler A. Negrelli und B. Urban bringen
ein eulenspiegelhaft verspieltes Moment in die " Berliner Landpartie".
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Fränkischer Anzeiger 19. Juli 2004
"Dokumenta-Anklänge" im Brauhaus-Gemäuer
"Berliner Landpartie" erlebt Besucherandrang
bei Musikabend
ROTHENBURG - Es war ein Kultur-Wochenende
voller Termine. Das Besondere daran: alle hatten einen guten Besuch. Besonders
aber freute man sich bei den Initiatoren des Kulturbrauhauses über den
gelungenen Auftakt und ein von rund 200 zahlenden Gästen besuchtes Rock-Konzert
mit zwei Spitzenbands. Rothenburg machte seinem Ruf als Kulturstadt dank
der Initiative Einzelner alle Ehre! "Das macht Mut!" konnte da Walter
Meile am gestrigen Sonntagnachmittag eine erste positive Bilanz ziehen.
Nach dem schwachen Echo auf die letzte Ausstellung gelang es diesmal das
Publikumsinteresse stärker zu wecken. Nur eine Woche lang sind die vielseitigen
Arbeiten von elf Berliner Künstlern zu sehen, hinzu kommen noch drei Abendveranstaltungen
(siehe Info-Kasten).
Was in der mittelalterlichen Stadt der Traditionen lange vermißt wurde,
hält mit dem Kulturbrauhaus zeitweise Einzug: Modernes, Alternatives,
Avantgardistisches und Denkanstößiges. Der Gang durch die vom Brauhausteam
in Eigenleistung ausstellungstauglich gemachten Räume, erstmals auch im
Obergeschoß, vermittelt ein bißchen Dokumenta-Gefühle. Der Ankündigungstext
bestätigt sich dem Betrachter, vorausgesetzt er ist aufgeschlossen unvoreingenommen,
nimmt sich Zeit und läßt Räume und Werke wirken: "Bilder und Zeichnungen,
verfremdete und befremdliche Objekte und Installationen eröffnen die Möglichkeit,
die Fantasien spielen zu lassen, gedankliches Neuland zu betreten!"
Ob es die im Raum schwebenden transparenten Körper aus Schnurgerippe der
Künstlerin Käthe Wenzel sind, ob es die Umsetzung des "Nichts" als abstraktes
Konzept in provokanter Schlichtheit von Christian H. Cordes ist oder ob
man sich als Besucher gleich im wahrsten Sinne des Wortes "in die Seile
hängt" und damit in ein experimentelles Audio-Klangfeld von Marco Riedel
(Schüler von Horst Antes) eintaucht - ständig konfrontieren einen die
Künstler mit Neuem und wer sich darauf einläßt, dem wird der Rundgang
zum anregenden Kulturerlebnis.
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strassenzeitung 16/2004.
"Kunst-Biotop in der Kastanienallee 12"
5 Jahre galerie kurt im hirsch
von Katrin Wenzel
In Prenzlauer Berg gibt es viel zu entdecken,
gerade rund um den U-Bahnhof Eberswalder Straße und die Kastanienallee.
In den Läden und Erdgeschosswohnungen, wo die Mieten bis zur Sanierung gering
sind, zwischen und hinter den Cafés und Restaurants haben sich kleine Läden,
Werkstätten, Ateliers und Galerien eingenistet. Eine davon ist die galerie
kurt im hirsch im zweiten Hinterhof der Kastanienallee 12, einem Gebäude
aus den 1890er Jahren, das sich sein angeschlagenes Aussehen bewahrt hat.
Am Anfang stand die Idee, die eigenen Arbeiten auszustellen. Die Galerie
entstand spontan, wie viele kleine Initiativen im Viertel, zunächst noch
in der Oderberger Str. 12. Einige tatkräftige junge Kunsthistoriker und
Künstler taten sich zusammen und renovierten den Fahrradkeller. Wie viele
andere in Berlin, fühlten sie sich wenig inspiriert von dem, was sie in
den kommerziellen Galerien in Mitte und West-Berlin zu sehen bekamen - während
sie andererseits nur zu gut wussten, wie viel neue und aufregende Kunst
in Berlin von jungen Künstlern aller Nationalitäten produziert wird. Man
wollte sich ausprobieren, sich als Kuratorinnen und Kuratoren unter Beweis
stellen, und natürlich - Kunst verkaufen.
Drei Jahre lang gab es gemischte Ausstellungen zu sehen, zuletzt in Zusammenarbeit
mit dem mob e.V., der das Gebäude in der Oderberger Str. 12 gepachtet und
in Eigenarbeit saniert hat. Junge Künstlerinnen wie Saskia Hetzer aus den
Niederlanden, Christina Giakoumelou aus Griechenland und Ulrike Gamst oder
Käthe Wenzel aus Berlin hatten bei "kurt" ihre ersten Einzelausstellungen.
Die Fassadenmalerei von Maya Heller und ihrer Kollegin am Quergebäude wurde
inspiriert durch die letzte Ausstellung in den alten Räumen.
2002 zog die Galerie in die Kastanienallee, wo sie in drei Räumen und als
gemeinnütziger Verein wieder eröffnete. Unter ihrem Einfluss hat sich das
Quergebäude zu einem künstlerischen Biotop entwickelt. Noch unsaniert, sind
die Räumlichkeiten zum Teil nicht bewohnbar, und können als Lager und Arbeitsräume
genutzt werden. Über den Ausstellungsräumen im Erdgeschoss liegen derzeit
fünf Ateliers. Nele Probst, Lisa Glauer, Käthe Wenzel, Michaela Hartmann
und Line Wasner produzieren dort Kunst in allen Formen, von Malerei bis
Musik. Zumindest bis zur Sanierung.
Das raumnahe Miteinander von Künstlerinnen und Galerie hat sich dabei als
Vorteil erwiesen - nicht nur, weil man im Falle einer Ausstellung die Arbeiten
nur zwei oder drei Treppen nach unten tragen muss. Auch die Ideen reisen
schneller. Entstanden ist ein Netz von Kontakten, aus dem allerhand künstlerische
Aktionen und Projekte auch außerhalb von Berlin entstanden sind. Am 16.
Juli eröffnet in Rothenburg die von Nele Probst organisierte "Berliner Landpartie".
Ende des Jahres zeigt der Kunstverein Schwerte die "Denkgerüste", eine Ausstellung,
die Silke Ettling kuratiert. Zwei von drei Positionen vertreten Künstlerinnen
aus den Hirsch-Ateliers.
Letztes Wochenende feierte die galerie kurt im hirsch ihr fünfjähriges Bestehen
mit einer Performance und einem Filme-Abend im Amphitheater des Hirschhofs.
Zu sehen waren experimentelle Videos u.a. von Sas Trommler, Emil Gropoz,
u. a. In fünf Jahren hat sich kurt im hirsch von der Produzentengalerie
mit handkopierten Einladungszetteln zu einem kleinen, aber stabilen Verein
mit festem Eintrag im Kunstkalender und einem weiten Freundeskreis entwickelt.
Geblieben ist die entspannte Atmosphäre, der gelegentliche Hauch des Improvisierten,
der von Anfang an den Charme des Ortes ausgemacht hat. Natürlich kämpft
auch die galerie kurt im hirsch mit Geldsorgen. Gezeigt wird, wovon man
überzeugt ist, und nicht unbedingt, was Geld bringt. Alles wird in Eigenregie
organisiert, gebaut - und bezahlt. Neue Mitglieder sind dem Verein deshalb
immer willkommen.
Ab dem 3. September zeigt kurt im hirsch Bilder von Jim Avignon.
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Humboldt. Die Zeitung der Alma Mater Berolinensis,
14. April 2004. S.10
"Ante Portas?" - Wir packen unseren Koffer...
Zur 177. Ausstellung der Kleinen Humboldt-Galerie
Die kleine Humboldt-Galerie (KHG) steht an
einem Wendepunkt. Seit 1978 fanden in 176 Ausstellungen Gemälde, Zeichnungen,
Fotografien, Skulpturen, Installationen und diverse Performances ihren
Weg in die Ausstellungsräume der KHG. Seit Februar 2003 ist der Galerie
jedoch ihr Ausstellungsraum, der hohe helle und vor allem bewachte Flur
des Rechenzentrums, abahnden gekommen, denn dieses zog nach Adlershof.
Die Kleine Humboldt-Galerie packte ihre Koffer...
Als neue Ausstellungsstätte ist der Lichthof im Ostflügel gedacht - dieser
muss jedoch zuerst umgebaut werden. Der mit einem Glasdach versehen Lichthof
wurde zu Beginn der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts gebaut, er bildete
den Übergang zwischen dem offenen Flügel des alten Palais und den vom
Architekten Ludwig Hoffmann 1914-1922 errichteten Erweiterungsbauten.
Der Lichthof wurde zunächst als Schalterhalle genutzt, die schon damals
zu den Kassenräumen der Universität führte. Er wurde im zweiten Weltkrieg
durch eine Bombe zerstört. In den Folgejahren wurde der Raum mit einem
nicht sachgerechten Pappdach versehen, was den Brandschutz jedoch gefährdete.
So wurde 2001 beschlossen, in Anlehnung an die frühere Gestaltung, den
Lichthof wieder herzustellen. 2002 begannen die ersten Bauarbeiten. Die
Kassenräume wurden saniert. Dann stoppte der Senat die Gelder. Seitdem
bemühte sich die Technische Abteilung um die Fortführung der Arbeiten.
Aber erst jetzt - im April 2004 - wurden die Gelder für 2005 freigegeben.
Somit wird erst Ende 2005 der KHG wieder ihr eigener Galerieraum zur Verfügung
stehen. Bis dahin nutzt sie gern die Möglichkeit, ihre Ausstellungen im
Foyer des Hauptgebäudes zu präsentieren. Das Foyer als ein unbewachter,
öffentlicher Raum verändert jedoch einschneidend den Charakter der Ausstellungen,
denn aus Sicherheitsgründen schließt sich die Präsentation von Originalen
weitgehend aus, so dass die Galerie auf Kopien bzw. Fotos angewiesen ist.
Die KHG muss ihre Koffer erneut packen...
Thematisch waren in der Vergangenheit die verschiedenen Projekte einzigartge
Gratwanderungen, die jeweils neue Möglichkeiten boten, über das Verhältnis
von Kunst, Kultur und Wissenschaft zu reflektieren. In der 177. Ausstellung
wird deutlich, warum die Galerie als wissenschaftlich-kulturelles Schaufenster
der Humboldt-Universität zur Öffentlichkeit die Kulturlandschaft Berlins
auf einmalige Art ergänzt. Einen originellen Überblick über diese Arbeit
der vergangenen 25 Jahre gibt der neue Katalog der Galerie, welcher auch
Teil der Präsentation ist. Die KHG bildet nicht nur ein Forum für junge
Kunst und thematische Ausstellungen, sondern fungiert auch als ein Bindeglied
zwischen akademischer Ausbildung und zukünftiger Berufspraxis. Die 177.
Ausstellung beabsichtigt, die singuläre Position und Bedeutung der KHG
innerhalb der Universitätspraxis zu verdeutlichen. Es werden exemplarisch
Ausstellungsprojekte der Vergangenheit besprochen und gleichsam ein Einblick
in das umfangreiche Archiv der Galerie gewährt. Außerdem werden Modelle
sowie ein Film zum Lichthof den zukünftigen Ausstellungsraum vergegenwärtigen.
Computeranimierte, dreidimensionale Grafik ergänzen diese und zeigen Visionen
einer zukünftigen Nutzung des Raums.
Da die Austellung mit Objekten der Künstlerin und promovierten Künstlerin
Käthe Wenzel, die sich der Grenzüberschreitung von Kunst und Wissenschaft
als Thema widmet, im Foyer nicht adäquat umgesetzt werden kann, werden
u.a. wenigstens Teile dieser geplanten Präsentation gezeigt. Mit dieser
Ausstellung verbinden wir auch die Hoffnung, dass sich neue EnthusiastInnen
für die Arbeit der Galerie interessieren.
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Berliner Morgenpost, 28. März 2004
Rundgang: So sieht es in den Ateliers der
Berliner Künstler aus.
Künstler - die tun was! Zum Beispiel gegen den drohenden Verlust ihrer Ateliers.
Weil der Senat die bewährte Förderung von Ateliers stoppen will, zeigen
mehr als 20 Maler, Fotografen und Bildhauer in Kreuzberg nun der Öffentlichkeit,
wie wichtig ihr Atelier als "Basic" fürs Arbeiten ist. Die Aktion in den
drei großen Atelierhäusern findet heute von 14-20 Uhr statt. Darüber hinaus
bieten die beiden Kunsthistoriker Ralf F. Hartmann und Karin Rase zwei geführte
Touren für die Atelierhäuser Fidicinstr. 3 und Möckernstr. 68 an. Treffpunkt
ist jeweils um 15 Uhr direkt vor Ort. Anschließend geht es gemeinsam um
17.30 Uhr in das dritte Haus Hagelberger Str. 53/54, wo Maler wie Moritz
Hasse und Christiane Molan und der Performancer Ingolf Keiner ansässig sind.
Parallel dazu gehen die Künstler in Prenzlauer Berg in ihre sechste "Offene
Atelier"-Runde. Zwischen 14 und 19 Uhr laden u. a. Käthe Wenzel (Objekte),
Line Wasner (Buchtuning), Anett Lau (Tapetenbilder) und Matthias Illner
(Erotische Malerei) zum Gucken, Reden und eventuell auch Kaufen in ihre
Arbeitsräume.
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